Seite 79 - Fallersleben

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Buchhändler Großkopf, Zimmermeister Kausche, Tier­
arzt Dr. Lüders, Schuhmachermeister Dehler, Schlach­
ter­meister Porsiel, Senator Teutschbein, Drogist
Walkerling, Superintendent Wedde, Buchbindermeister
Büchner, Kürschnermeister Reichwaage. Allenfalls
wurden gestorbene oder weggezogene Mitglieder er­
setzt. Auch an der Zahl der Mitglieder änderte sich
nichts, sie schwankte um achtzig und hat bis 1945 die
Hundert nicht erreicht. Die Einordnung in die „Volks­
gemeinschaft“ scheint aber doch nicht zu umgehen ge­
wesen sein: 1942 teilt das Protokoll mit, dass die Ge­
sellschaft Mitglied des N.S.-Kulturwerks geworden sei
und dass Gauleiter Telschow die Schirmherrschaft über
die Gesellschaft übernommen habe.
Sieht man von der Renovierung seines Geburts­
hauses und der darin eingerichteten Erinnerungsräume
ab, spielt Hoffmann bis 1938 nur eine marginale Rolle
in der Agenda des Vereins. Er diente dem Bürger­
meister vor allen Dingen dazu, seine weitreichenden
Pläne und die vielen von den Veränderungen im Um­
kreis der kleinen Stadt erzwungenen Maßnahmen der
Bevölkerung zu vermitteln. Da ist die Rede vom Kanal­
bau, der Hafenanlage, der sich ankündigenden An­
siedlung von Großindustrie, von Wasserversorgung,
Straßen- und Siedlungsbau, einer Mittelschule, einem
Freibad und dem Schlosspark. Und immer wieder
mahnt er nach Punkt 2c. der Satzung, „Maßnahmen
zur Verschönerung der Stadt“ nicht nur von der Ad­
ministration zu erwarten, sondern auch mit privater
Initiative zu verbinden. Auch Theodor Rehn, der
spätere erste Präsident der Gesellschaft, Rektor
Heinrichs und Tierarzt Dr. Lüders haben zunächst
durchaus auch noch andere Anliegen, wie Vogelkunde,
Einrichtung von Naturschutzgebieten und heimatkund­
lichen Sammlungen. Später aber nehmen Tages­
ordnungspunkte, die sich auf Hoffmann beziehen,
einen immer größeren Raum in den Protokollen ein.
Man berichtet über Ankäufe, Zuwendungen, Vorträge
und Exkursionen, die Versammlungen werden mit
Lesungen von Hoffmann-Texten eingeleitet, Professor
Gerstenberg wird zum Ehrenmitglied ernannt, nach­
dem er bei der Einrichtung des Museums seinen Rat
beigesteuert hatte, und als er gestorben war, wurde
immer wieder über den Ankauf seines wissenschaft­
lichen Nachlasses gesprochen. Von Dauer war das erste
Hoffmann-Museum nicht, der Krieg veranlasste im
Sommer 1942 die Auslagerung der Archivalien in Bank­
tresore bei der Sparkasse und der Volksbank am Ort.
Das Kriegsende brachte das alliierte Verbot aller
Parteien und Vereine, und es dauerte drei Jahre bis zu
ihrer Wiederzulassung am 15. Oktober 1948.
Gleich auf der ersten Hauptversammlung wurde die
Satzung von den „nationalsozialistischen Grundsätzen“
gereinigt: der „Dichter des Deutschlandliedes“ ver­
wandelte sich zurück in den „Dichter und Gelehrten“,
der Vorstand sollte wieder „gewählt“ werden, der Orts­
gruppenführer verschwand aus der Satzung, er hatte
– soweit erkennbar – sowieso nur an einer Sitzung teil­
genommen. Die anwesenden Mitglieder wählten den
inzwischen zum Hauptlehrer beförderten Theodor
Rehn zum ersten Vorsitzenden und das blieb er, nach
einer Satzungsänderung 1954 als Präsident, bis zu
seinem Tode im Dezember 1964. Der ehemalige Bürger­
meister und neue Stadtdirektor Wolgast ist als
stellvertetender Vorsitzender dabei. Zwar tauchen jetzt
auch neue Namen in Vorstand und Beirat auf, aber
grundsätzlich hat sich an ihrer Zusammensetzung
nichts geändert, es bleibt bei einer engen Verzahnung
von Stadtverwaltung, intellektuellem und handwerk­
lichem Mittelstand. Geändert haben sich Aufgaben und
Selbstverständnis der Gesellschaft, und auch das
spiegelt sich in der Satzung: Die Verschönerung des
Stadtbildes und die Förderung des Verkehrs werden ge­
strichen. Die Mischform von literarischer Gesellschaft
und Heimat- und Verkehrsverein hat ein Ende, es gibt
jeweils einen eigenen Verein. Die Jahresberichte der
Gesellschaft zeigen von nun an eine Konzentration auf
Veranstaltungen und Projekte, die unserem Verständ­
nis von literarischer Gesellschaft entsprechen.
Die Ergänzung ihres Archivbestandes ist bis auf den
heutigen Tag ein vorrangiges Anliegen der Gesellschaft.
Sie wurde darin unterstützt von der Stadt Fallersleben,
Prof. Dr. Heinrich Gerstenberg.