Seite 22 - KZ_Aussenlager_Schillstr

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Anhang
Kurze Biografien von einigen ehemaligen Häftlingen des KZ-Außenlagers Schillstraße in
Braunschweig, einschl. Unterkommando Vechelde:
Zwi Bergmann,
geb. 1922 in Zdu´nska Wola. Wohnte seit 1923 in Łód´z, hatte zwei
Geschwister, Bruder Pinkus (geb. 1916) und Schwester Ruth (geb. 1925). In Łód´z besuch-
te er eine Textilberufsschule, 1939 mittlere Reife. Im Ghetto Łód´z arbeitete er als Ange-
stellter, zuständig für Melde- und Verpflegungsfragen. Am 25.8.1944 deportiert nach
Auschwitz. Nach Braunschweig kam er im Oktober 1944 (seine Häftlingsnummer ist
unbekannt). Im Januar 1945 nach einem Arbeitsunfall verlegt ins Krankenrevier in
Watenstedt. Evakuiert im April 1945, befreit am 2.5.1945 im KZ Wöbbelin. Zuerst im
Krankenhaus in Ludwigslust, dann Rückkehr nach Polen. Da er in Polen keine Familien-
angehörigen wiederfinden konnte, fuhr er im Oktober 1945 über die Tschechoslowakei
nach Lepheim bei Ulm, wo er in einem DP-Camp wohnte. Die nächsten Stationen waren:
Marseille, misslungener Versuch nach Haifa zu gelangen, Flüchtlingslager auf Zypern. Im
Februar 1948 Ausreise nach Palästina im Rahmen eines von den Briten genehmigten
Kontingents. Durchgangslager, Arbeit in einer Munitionsfabrik, Wehrdienst. Seit 2.7.1946
verheiratet, zwei Kinder, Tochter Ruth (geb.1951) und Sohn Benjamin (geb.1954). Lebt in
Holon, Israel.
Roman Bojmelgrin,
geb. 1927 in Łód´z. Sein Vater war Bäcker, seine Mutter Näherin.
Hatte zwei Brüder (geb. 1925 und 1930) und eine Schwester (geb. 1936), die 1942 in das
Vernichtungslager in Chelmno deportiert wurde. Er arbeitete im Ghetto in einer Schnei-
derei. Im August 1944 wurde die ganze Familie nach Auschwitz deportiert, wo die Mutter
vergast und von wo aus der Vater und die zwei Brüder in andere Lager geschickt wurden,
in denen sie umgekommen sind. Anfang November 1944 kam er nach Braunschweig
(Häftlingsnummer: 67269). ImMärz 1945 evakuiert nachWatenstedt, befreit am 2.5.1945
in Wöbbelin. Ende Mai 1945 Rückkehr nach Polen, wo er ein Betriebswirtschaftsstudium
abschloss und an einer Hochschule tätig war. 1969 erzwungene Emigration nach Kanada,
Arbeit für UNICEF. Seit 1950 verheiratet, hat eine Tochter und einen Sohn. Lebt in Toron-
to, Kanada.
David Brin,
geb. 1930 in Łód´z, sein Vater war Kaufmann. Hatte zwei Brüder (der ältere,
Salek, geb. 1916). Er arbeitete im Ghetto im Lederressort, dann als Elektrikergehilfe und
Bote in einer Fleischzentrale. Im August 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert; seine
Mutter wurde in die Gaskammer geschickt. Nach Braunschweig kam er im Oktober 1944
(Häftlingsnummer: 64601), evakuiert im März 1945, befreit am 2.5.1945 in Wöbbelin.
Rückkehr nach Łód´z, dann imAugust 1945 Ausreise nach Berlin, Aufenthalt im DP-Camp
in Bergen-Belsen und im Jugendheim in Blankensee/Hamburg. Im April 1946 Ausreise
nach Palästina. Tätigkeit in einer jüdischen Untergrundorganisation, Wehrdienst, Offi-