Seite 9 - Moerder-Landschaft

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Statt eines Vorworts …
Lutz Tantow
Das allmähliche Verfertigen von
Opfern beim Beschreiben ihrer
Täter
Wir waren zehn und wir hatten nur ein Ziel: Wir
wollten einen Krimi zur Welt bringen. Genauer ge-
sagt: Wir wollten Texte für eine Anthologie mit
Kurzkrimis aus unserer Region schreiben. Und noch
genauer gesagt: Wir waren eigentlich elf, denn ein
Seminarleiter veranstaltete diese Textwerkstatt für
und mit uns. Wir waren Autoren, Hobbyschrift-
steller, die alle schon einmal irgendwo irgendwas
veröffentlicht hatten, ehrgeizig, neugierig und mehr
oder weniger kreativ. Wir wollten etwas bewegen,
auf die Beine stellen, ein neues Buch sollte ent-
stehen. Nur übersahen wir zunächst, dass das Ge-
plante nicht unser gemeinsames Ziel war. Jeder hatte
seine eigenen Ideen, Vorlieben, Perspektiven. Schrei­
ben ist selten ein kollektives Geschäft.
Ich mag nur Krimis mit skurrilen Kommissaren.
Ich bewundere Polizeiarbeit im Team, das wirkt
realistisch. Bei mir muss nicht einmal ein Detektiv
auftauchen. Ich sehe mir überhaupt keinen „Tatort“
im Fernsehen an. Die Opfer interessieren mich ein-
fach mehr! „Das allmähliche Verfertigen von Tätern
beim Beschreiben ihrer Opfer.“ Kurz: Die Ge-
schmäcker sind verschieden, Perspektiven sind