Seite 17 - Muslime_in_Wolfsburg

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„EIGENTLICH WOLLTE ICH NICHT BLEIBEN! “
Eine Umfrage unter Muslimen der ersten Generation
Teilnehmer: 50 Männer
An dieser Stelle möchten wir die Ergebnisse einer Umfrage unter Arbeitsmigranten der
ersten Generation dokumentieren, die im Februar /März 2011 vorwiegend in arabischer
Sprache durchgeführt wurde. Die Befragung macht unter anderem deutlich, dass viele
der Männer, die Anfang der 1970er-Jahre nach Wolfsburg kamen, nicht vorhatten, in
Deutschland zu bleiben.
Im Folgenden haben wir die einzelnen Fragen und die dazugehörigen Ergebnisse zusam-
mengestellt und kommentiert.
1. Wann sind Sie in die Bundesrepublik Deutschland eingereist?
1970
1971
1972
1973
23
5
4
18
Offensichtlich ist der Großteil der Befragten im Jahr 1970 nach Westdeutschland einge-
reist, also in dem Jahr, in dem man bei Volkswagen den Beschluss fasste, tunesische
Gastarbeiter zu beschäftigen. Erst im Jahr 1973 folgte dann erneut eine steigende
Anzahl von Einreisenden.
2. Hatten Sie vor, in Deutschland zu bleiben?
Ja
Nein
7
43
Wie auch unter anderen Migrantengruppen, beispielsweise den Italienern, zu beobach-
ten, wollten die meisten der tunesischen Gastarbeiter nur für „einige“ Jahre in Deutsch-
land bleiben, durch Arbeit „gutes“ Geld verdienen und dann in die Heimat zurück-
kehren. Diese Vorstellung hatten nicht nur die nach Wolfsburg geholten Gastarbeiter,
sondern so war es auch zwischen der tunesischen und der deutschen Regierung verein-
bart worden. In dem bereits erwähnten Anwerbeabkommen aus dem Jahr 1965 ist
der Wunsch der deutschen Bundesregierung festgehalten, die Tunesier in die Heimat
zurückschicken zu können, sollten die Voraussetzungen für ihre Beschäftigung in
Deutschland nicht mehr gegeben sein. Die Kosten dafür habe die tunesische Regierung
zu tragen. Diese wiederum war ihrerseits von der Idealvorstellung geleitet, dass die ins
Ausland geschickten Landsleute mit entsprechendem Know-how und wirtschaftlicher
Kraft in die Heimat zurückkehrten, um dort beim Aufbau mitzuhelfen. Vielleicht waren
es auch gerade diese Vorstellungen, die dazu führten, dass im Hinblick auf die Integra-
tion dieser Menschen viele Jahre nicht viel unternommen wurde.