Seite 3 - Von_Otto_bis_Phaeno

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Vorwort
In einem Tal westlich des Harzes bei Gandersheim entwickelte
sich im 9. Jahrhundert das Grafengeschlecht der Liudolfinger. Sie
stiegen – auch durch Heiratsverbindungen mit den Karolingern – zu
Herzögen von Sachsen, ab 919 zu deutschen Königen und Kaisern auf.
Der Spannungsbogen von dynastischer Verantwortung zu zentraler
Machtentwicklung hat das Gebiet zwischen Harz und Heide, an Aller,
Oker und Leine in vielfältiger Form geprägt. Lothar von Süpplingen-
burg und Heinrich der Löwe legten den Grundstein für eine territoriale
Machtbasis, die 1235 zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg werden
sollte. Kaiser Otto IV., Sohn Heinrichs des Löwen, hat auf seinem pur-
purfarbenen Kaisermantel und auch auf dem von ihm gestifteten
Reichsschwert die Symbole des Reichsadlers und der welfischen Leopar-
den vereint.
Politik im europäischen Rahmen haben die Braunschweiger Her-
zöge in vielfältiger Form betrieben. Das gilt für die Diplomatie ebenso
wie für die welfischen Heiratsverbindungen, etwa mit dem Kaiserhaus,
aber auch mit Russland, Preußen, Dänemark und Polen. Die Herzogin
Anna Amalia wurde mit ihrer Heirat nach Sachsen-Weimar und durch
die Förderung Goethes für die deutsche Klassik bedeutend. Kultur,
bedeutende Bibliotheken, Geistesgrößen wie Lessing und Gauß, Thea-
ter und Baukunst waren ebenso wichtig auf dem Weg in die Neuzeit wie
Wissenschaft, Handel und Industrie.
Mit der anlaufenden Industrieproduktion in Salzgitter und Wolfs-
burg und zugleich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der
Zonengrenzziehung erfolgte in unserer Region eine beispiellose
Umwälzung von Einzelschicksalen. Im Raum Braunschweig, Wolfs-
burg, Salzgitter waren nahezu 40 Prozent der Bürger Flüchtlinge und
Neuansiedler.
Abschiedsszenarien für das alte Land Braunschweig hat es ver-
schiedentlich gegeben. Im Jahr 1946, bei der Eingliederung in das Land
Niedersachsen, wurde im Landtag in der Abschiedsrede ausgerufen
„So geht nun die Weltgeschichte über dieses Land dahin, das viele Jahr-
hunderte seine Selbständigkeit bewahrt hat!“ Braunschweig, innerhalb
Niedersachsens zunächst Verwaltungsbezirk, ab 1978 Regierungs-
bezirk, ging nicht unter. Bei der Auflösung der Bezirksregierungen
zum 1. Januar 2005 war die Einsicht gewachsen, dass die Region mit
ihren gebündelten Kompetenzen, herausragend in Forschung und Leh-
re, und mit ihrer Wirtschaftskraft, besonders in Braunschweig, Wolfs-