Seite 10 - KZ_Aussenlager_Schillstr

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dort ca. 900 Plätze gemietet haben.
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In den Monaten August bis Dezember 1944 wur-
den hier polnische Frauen und Kinder, die während des Warschauer Aufstandes depor-
tiert worden waren, untergebracht, bis sie im Januar 1945 ins Lager „Mascherode“
verlegt wurden.
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Seit Oktober 1942 bemühte sich die Fa. Büssing beim Rüstungskommando Braunschweig
um die Bereitstellung von strafgefangenen Facharbeitern. Die gesamte Zahl der bei ihr
beschäftigten Häftlinge dürfte nicht höher als 50 Personen gewesen sein. Ein Teil von
ihnen waren Ausländer.
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Die Tochterfirma NIEMO unterhielt in der Stadt Braunschweig folgende Lager für
ausländische Arbeitskräfte
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:
– Lager „Schuntersiedlung“: ein Gemeinschaftslager für ca. 200 Frauen,
– Lager „Kralenriede“ für Männer verschiedener Nationalitäten mit einer Aufnahmefä-
higkeit für ca. 1.000 Personen und
– Lager „Rühmer Berg“, auch „Russen-Lager“ genannt, für ca. 1.000 Lagerbewohner.
Außerhalb Braunschweigs unterhielt die NIEMO Lager in Alfeld/Leine, Wendhausen,
Mehle /Elze und in Goslar. In der Gemeinde Walbeck bei Helmstedt gab es zwei 1923
stillgelegte Schachtanlagen der Kalisalzwerke „Gerhard“ und „Buchberg“. Der Burbach-
Konzern, Eigentümer der Schächte, hatte sie 1944 als unterirdische Rüstungsproduk-
tionsstätten an die NIEMO vermietet. Im Schacht „Buchberg“ wurden, in den Salzhallen
in rund 500 m Tiefe, Flugzeugmotorenteile produziert. Die NIEMO stellte für diese
Arbeiten einen Stamm von Ingenieuren, Meistern und meist ausländischen Arbeitern an.
Die SS überließ entsprechend einemVertrag die KZ-Häftlinge. In der unmittelbaren Nähe
des Landheimes am Buchberg (ein 158 m hoher Berg im östlichen Teil Walbecks) wurde
ein Lager für ca. 1.000 bis 1.200 ausländische Arbeiter errichtet. Einige von ihnen wurde
vom Stammwerk in Braunschweig versetzt. Einen weiteren Teil stellten Frauen und Kin-
der, die während des Warschauer Aufstandes deportiert worden waren. Darüber hinaus
unterhielt die NIEMO in der Gemeinde Walbeck noch drei weitere Lager sowie ein Lager
in Grasleben.
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Ebd.
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Bericht der Zeitzeugin Czeslawa Karp aus Warschau vom 12.6.1995. Sie, damals 14 Jahre alt, wurde im
August 1944 zusammen mit ihrer Mutter aus Warschau deportiert. Über die Wege der polnischen Zivilisten
aus Warschau nach Braunschweig siehe: Liedke, Gesichter, S. 38ff.
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Nds. StAWf, 42A Neu Fb.3, Zg. 37/1983, Nr.14B Bd.2.
28
Liedke/Zacharias, Schillstraße, S. 10.