Seite 88 - Muenzbuch

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Münzähnliche Objekte
Die Vorderseiten der Zellerfelder Tauftaler zeigen die Taufe Jesu im Jordan in verschiedenen Ansich-
ten. Auf einem seltenen zweifachen Tauftaler (Abb. 564)
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fliegt der Heilige Geist in Gestalt einer Tau-
be aus dem geöffneten Himmel zu Jesus herab. Die Umschriften und der Rückseitentext im Felde ent-
halten Stellen aus der Bibel. Auf der Vorderseite steht:
„tauffet sie im namen des vaters undt des
sohnes undt des h . geistes . Mat 28 .19“
Die Rückseite enthält gleich mehrer Sprüche aus der Bibel.
In der Umschrift heißt es:
„wer glaubt undt getaufft wirdt der wirdt selig werden . Marci . 16 . 16“
.
Im Rückseitenfeld steht:
„Gottvater durch die tauff / zum kinde nimt mich auff / gottsohn mit sei-
nem blut / macht mich gerecht und gut / gott h . geist zeucht ein / mein lehrer trost zu seyn / biß aus
der eitelkeit / ich komm zur ewigkeit / Gal . 3 . 26 . 27 . Tit . 3 . 5 . 6 . 7 . / 1 Pet . 3 . 2 . 1“.
Die Si-
gnatur des Münzmeisters ist durch die eingeschlagene Punze mit der Wertzahl 2 überdeckt. Auf ei-
nem in der Sammlung Knyphausen erwähnten Exemplar ist aber ein zweifaches H zu erkennen. Mit
den Initialen HH kennzeichnete der Zellerfelder Münzmeister Heinrich Horst die Münzen. Er dürfte
auch für die Herstellung des hier abgebildeten Exemplars verantwortlich sein.
Manche Münzmeister sahen in der Herstellung von Tauftalern einen lohnenden Nebenverdienst. 1711
wurde bekannt, dass sich der Münzmeister Rudolf Bornemann 1 
1
/
2
Taler für die Herstellung der Tauf-
taler in der Münze bezahlen ließ, weswegen er vernommen werden sollte.
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Die Produktion solcher
Stücke musste beim Bergamt angemeldet werden, was offenbar nicht immer geschehen ist. Deswegen
wurde im Jahr 1712 eigens darauf hingewiesen, dass die Stempel für Tauftaler verschlossen aufbewahrt
werden müssten. Ein Schlüssel sei für den Münzmeister, der andere für den Münzwardein.
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Stempel
für Tauftaler waren in der Münzstätte Zellerfeld vorrätig. 1718 mussten neue hergestellt werden, weil
die alten schon zu sehr abgenutzt waren.
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Marken
Schon im Mittelalter verwendete man in der städtischen Verwaltung Braunschweigs Marken aus Kup-
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, die als Wert- und Berechtigungszeichen, als Kontrollzeichen, als Quittungsmarken oder zur Zah-
lungsanweisung hergestellt und ausgegeben wurden. Sie ersetzten teilweise silberne Kleinmünzen, die
nicht immer ausreichend vorhanden waren und deren Produktion als zu teuer galt; Kupfermünzen
waren noch unbekannt.
Im Braunschweiger Münzbuch des Hans Porner ist Anfang des 15. Jahrhunderts der Ankauf von
Kupfer verzeichnet, mit dem Rechenpfennige (siehe dazu unten S. 401), Mühlenzeichen, Bierzeichen
und Torzeichen hergestellt worden waren.
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Brotmarken, Braumarken, Lohnmarken, Kohlemarken,
Abb. 564:
Doppelter Tauftaler aus der Münzstätte
Zellerfeld, ca. 1711-1719, Münzmeister
Heinrich Horst (?). – Silber. 52,25 g.
63,5mm. – NORD/LB Inv.-Nr. 4948.
Vorderseite:
Jesu Taufe im Jordan: Jesus betend im
Wasser stehend wird von dem rechts am
Ufer knienden Johannes mit Wasser aus
einem Krug übergossen, über Jesus der
Heilige Geist in Gestalt einer Taube,
links am Ufer Engel.
Rückseite:
Bibelspruch in Umschrift. Im Feld Bibel-
sprüche in zehn Zeilen. Oben Schmuck-
dekor. Unten Wertpunze 2.